Krankenkasse stellt Praxisgebühr infrage – künftig 5 Euro pro Besuch?

480-250-krankenkDie Barmer GEK, größte gesetzliche Krankenkasse, stellt die 2004 eingeführte Praxisgebühr infrage. Die Zahl der Arztbesuche in Deutschland hat trotz der Gebühr eine neue Rekordmarke erreicht. 18-mal geht jeder Bürger im Schnitt jährlich zu einem Doktor.

„Die Wirkung der Praxisgebühr ist fraglich, und die grundsätzlich sinnvolle hausarztzentrierte Versorgung steckt in der Sackgasse“, sagte der stellvertretende Barmer-GEK-Chef Rolf-Ulrich Schlenker. Er verwies auf eine Statistik, der zufolge Patienten in Deutschland doppelt so häufig behandelt werden wie in vergleichbaren Industrieländern. Änderungen bei der Praxisgebühr sind von der Regierung geplant, allerdings nicht die Abschaffung der Gebühr.

Pro Quartal müssen die gesetzlich Versicherten beim ersten Arztbesuch zehn Euro zahlen. Bei weiteren Besuchen entfällt die Gebühr, wenn es sich um eine Überweisung handelt. Die Idee hinter der Einführung war damals, unnötige Facharzt-Besuche einzudämmen und so das Gesundheitssystem zu entlasten.

Die Einnahmen aus der Praxisgebühr betragen stolze zwei Milliarden Euro pro Jahr. Doch auch angesichts dieser Einnahmen gehen die Deutschen nach wie vor häufig zum Arzt.

Der Barmer-GEK-Arztreport konstatiert, dass jeder Krankenversicherte durchschnittlich 18-mal im Jahr zum Arzt geht. Darunter leidet auch das Arzt-Patienten-Gefüge wenn man bedenkt, dass bei durchschnittlich 45 Patienten pro Tag lediglich acht Minuten pro Patient bleiben.

Dass die Praxisgebühr selbst leicht kränkelt zeigt sich zudem darin, dass laut KBV-Chef Andreas Köhler bis zu 48 Prozent der Patienten von der Zuzahlung befreit sind. Gründe hierfür sind etwa ein zu niedriges Einkommen oder sie an einem Behandlungsprogramm der Hausärzte oder für chronisch Kranke teilnehmen.

Gesundheitsökonom Thomas Drabinski fordert laut „Bild“-Zeitung nun eine Abschaffung der Praxisgebühr. Stattdessen stelle er sich vor, dass Patienten eine Gebühr pro Arztbesuch zahlen. Diese könnte zwischen 2,50 Euro und 5 Euro liegen.

Zusatzbeiträge kommen

Nach Information der „FAZ“ plant ein Dutzend Krankenkassen ferner, einen Zusatzbeitrag in Höhe von monatlich acht Euro zu erheben! Dazu gehört die Deutsche Angestellten Krankenkasse sowie die Deutsche BKK. Noch in diesem Quartal würden die ersten Zusatzbeiträge fällig, zitiert die Zeitung aus Kassenkreisen. Dass dies mehr als Planungen sind wurde durch das Bundesversicherungsamt bestätigt – liegen denn schon drei Anträge auf Zusatzbeiträge vor, es wird mit weiteren gerechnet.

1 Kommentare für “Krankenkasse stellt Praxisgebühr infrage – künftig 5 Euro pro Besuch?”

  1. Stefan sagt:

    Es ist eine Frechheit das wir bei derart hohen Krankenversicherungssätzen immer noch zuzahlen müssen. Ferner ist die Praxisgebühr reine Abzocke weil dadurch noch mehr Verwaltungsaufwand nötig ist der das Gesundheitssystem unnötig belastet. Sollte es wirklich der Fall werden das man eine Gebühr pro Arztbesuch zahlen muss benachteiligt man Menschen die Finanziell gesehen nicht so gut dastehen. Am schlimmsten sind die Menschen dran die nicht von der Zuzahlung befreit sind und dennoch kaum Geld haben um über die Runden zu kommen.
    Ferner sollte eigentlich mal geprüft werden ob diese Regelung nicht verfassungswidrig ist da jedem das gleiche Recht auf Medizinische Versorgung zustehen sollte und man nicht benachteiligt wird weil das jährliche Einkommen zu gering ist.

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